Nachtzuschlag
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Definition

Was ist der Nachtzuschlag?

In den meisten Unternehmen Deutschlands wird in der Regel tagsüber gearbeitet. Doch in manchen Unternehmen wird auch Nachtarbeit betrieben. In diesen Fällen haben Mitarbeitende Anspruch auf einen Nachtzuschlag. Dieser wird per Arbeitszeitgesetz gezahlt, wenn Angestellte zwischen 23 und 6 Uhr mindestens zwei Stunden arbeiten.

Wann gibt es in Deutschland einen Nachtschichtzuschlag?

Als Nachtzeit im Zusammenhang mit den Schichtzuschlägen gilt in Deutschland die Zeit zwischen 23 und 6 Uhr. Die einzige Ausnahme für dieses Zeitfenster beim Nachtzuschlag stellen Konditoreien und Bäckereien dar. Hier liegt ist der Zeitraum für Nachtzuschläge von 22 bis 5 Uhr.

Arbeitet jemand in diesem Zeitraum regelmäßig mehr als zwei Stunden, dann gilt seine gesamte Tätigkeit als Nachtarbeit. Für Unternehmen besteht in diesem Fall die Pflicht, Nachtzuschlag zu bezahlen.

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Wird der Nachtzuschlag für die ganze Schicht gezahlt?

Der Zuschlag wird nur für jene Stunden fällig, die tatsächlich in der Nachtzeit liegen. Bei einer Arbeitszeit von 20 bis 4 Uhr würde der Zuschlag nur für fünf Stunden bezahlt werden (für den Zeitraum von 23 bis 4 Uhr).

Wie hoch ist der Nachtzuschlag?

Als Ausgangsbasis für den Nachtzuschlag dient der Grundlohn. Die Zuschläge betragen bei Nachtarbeit in der Regel insgesamt 25 Prozent des jeweiligen Bruttostundenlohns.

Allerdings gibt es auch Ausnahmen, in denen ein anderer Nachtzuschlag vereinbart wird:

  • Bei einer erhöhten Belastung durch eine Dauernachtschicht kann die Höhe des Zuschlages auch 30 Prozent des Stundenlohns ausmachen.
  • Im Tarifvertrag kann eine andere Methode vereinbart werden, um den Nachtzuschlag zu berechnen.
  • Bei einer geringeren Arbeitsbelastung als bei der Arbeit untertags können die Zuschläge auch niedriger ausfallen. Das ist vor allem oftmals bei Bereitschaftsdiensten der Fall.
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Das Bundesarbeitsgericht entscheidet

Ob eine erhöhte oder verringerte Belastung besteht, beurteilt das Bundesarbeitsgericht. Dort fällt auch die Entscheidung, ob der Arbeitgeber einen vom Gesetz abweichenden Nachtzuschlag berechnen muss.

Wie werden die 25 Prozent Nachtzuschlag genau berechnet? Welche Ausnahmen gibt es dabei?

Wie die 25 Prozent Nachtzuschlag berechnet werden, zeigt sich am besten anhand eines einfachen Beispiels:

  • Zunächst müssen dafür die Arbeitsstunden pro Monat ausgerechnet werden. Dafür werden die Wochenstunden mit 4,35 multipliziert. Bei einer Wochenarbeitszeit von 30 Stunden beträgt die Monatsarbeitszeit somit 130,5 Stunden.
  • Im zweiten Schritt wird nun der Grundlohn pro Stunde berechnet. Dafür wird das Gehalt durch die Anzahl der Stunden geteilt. Bei einem Gehalt von 2.500 Euro und einer Monatsarbeitszeit von 130,5 Stunden beträgt der Grundlohn pro Stunde 19,16 Euro.
  • Da der Grundlohn unter dem Grenzwert von 25 Euro liegt, sind die Zulagen steuer- und sozialversicherungsfrei.
  • Nun wird der Grundlohn mit dem Faktor 1,25 multipliziert. Daraus ergibt sich der Lohn inklusive Nachtzuschlag. Bei 19,16 Euro Grundlohn sind das 23,95 Euro. Der Zuschlag pro Stunde beträgt also 4,79 Euro.
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Nachtzuschlag-Rechner verwenden

Nur selten gestaltet sich die Berechnung jedoch so simpel wie in diesem konstruierten Beispiel. Deshalb ist es ratsam, einen entsprechenden Nachtzuschlag-Rechner zu verwenden. Im Internet kursieren zahlreiche Online-Rechner beziehungsweise downloadbare Excel-Vorlagen.

Ist der Nachtzuschlag steuerfrei?

Steuerfreie Nachtzuschläge gibt es dann, wenn der Grundlohn 25 Euro pro Stunde nicht übersteigt. Allerdings ist die Beitragsfreiheit mit 6,25 Euro limitiert.

Wo sind die genaue Höhe und die Berechnungsmethode festgelegt?

Wie viel Prozent Nachtzuschlag ausbezahlt und wie der Zuschlag berechnet wird, ist im Arbeitsvertrag oder im Tarifvertrag geregelt. Wer zum Beispiel in der Pflege arbeitet, erhält den TVöD Nachtzuschlag, weil er unter den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst fällt.

Gibt es nicht auch einen Nachtzuschlag laut Arbeitszeitgesetz ab 20 Uhr?

Der Nachtzuschlag gilt im Normalfall erst ab 23 Uhr. Allerdings gibt es einzelne Branchen, in denen es in den Tarifverträgen andere Regelungen gibt. So beginnt die zuschlagspflichtige Nachtarbeit in der Metall- und Elektroindustrie zum Beispiel schon um 20 Uhr.

Wann wird der erhöhte Zuschlag von 40 Prozent fällig?

Wird die Arbeit zwischen 0 und 4 Uhr geleistet, wird der erhöhte Zuschlag von 40 Prozent fällig. Das liegt daran, dass der Gesetzgeber diese Zeiten als zusätzliche Belastung für Arbeitnehmer ansieht.

Gibt es einen Feiertagszuschlag bei der Nachtschicht?

Fällt die Nachtarbeit auf einen Feiertag, wird der Nachtzuschlag zusätzlich zum Feiertagszuschlag bezahlt. Die Sätze richten sich dabei nach dem jeweiligen Feiertag.

Pflicht für Arbeitgeber

Angestellte haben ein Recht auf einen Nachtzuschlag. Das ist aber nicht gleichbedeutend damit, dass dieser auch ausbezahlt werden muss. Denn statt die Zuschläge zu bezahlen, können Arbeitgeber diese auch als Freizeitausgleich abgelten. In der Praxis bedeutet das, dass Beschäftigte für ihre Nachtarbeit eine angemessene Zahl an freien Tagen zur Verfügung gestellt bekommen. Auch Mischlösungen sind gesetzlich erlaubt. Das heißt, es kann auch nur ein Teil ausbezahlt und der Rest in Freizeit abgegolten werden.

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Der Nachtzuschlag ist nicht pfändbar

Das Bundesarbeitsgericht hat in einem Urteil vom Jahr 2016 entschieden, dass Nachtzuschläge nicht gepfändet werden dürfen. Zumindest, solange sie einen üblichen Rahmen nicht übersteigen.

Wie verhält es sich mit dem Nachtzuschlag bei Sonderarbeitsformen?

Besonders bei Minijobbern ist in diesem Fall Vorsicht geboten. Denn der Nachtzuschlag beim Minijob kann den Status verändern und so dazu führen, dass ein Minijobber sozialversicherungspflichtig wird. Die 450-Euro-Grenze darf insgesamt drei Mal pro Jahr überschritten werden, bevor es zu entsprechenden Konsequenzen kommt.

Auch die Kurzarbeit kann unter Umständen von den Nachtschichtzuschlägen beeinflusst werden. Die Nachtschichtzulage bei Kurzarbeit zählt zum Soll-Entgelt der Mitarbeitenden. Das heißt, sie erhöht das Kurzarbeitergeld entsprechend.

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Nachtzuschläge bei Krankheit

Beschäftigte haben auch im Krankheitsfall Anspruch auf die Fortzahlung ihres Arbeitsentgelts  in jener Höhe, die ihnen auch bei der Durchführung ihrer Arbeit zustehen würde. Dazu gehört unter anderem auch der Nachtzuschlag. Im Tarifvertrag können allerdings abweichende Vereinbarungen getroffen werden.

Zusammenfassung

Nachtzuschlag – Alles Wichtige auf einen Blick

  • Die gesetzlichen Regelungen zum Nachtzuschlag finden sich im Arbeitszeitgesetz (ArbZG).
  • Der Nachtzuschlag gilt im Regelfall zwischen 23 und 6 Uhr.
  • Berechnet werden nur jene Stunden, die tatsächlich in diesem Zeitraum gearbeitet wurden.
  • Die Höhe des Nachtzuschlages beträgt im Normalfall 25 Prozent des Bruttostundenlohns.
  • Zwischen 0 und 4 Uhr gilt der erhöhte Satz von 40 Prozent.
  • Über Abweichungen in der Höhe entscheidet das Bundesarbeitsgericht.
  • Der Anspruch auf Nachtzuschläge besteht auch bei Krankheit.
  • Nachtzuschläge sind steuerfrei, wenn der Grundlohn 25 Euro pro Stunde nicht übersteigt.
  • Der Nachtzuschlag kann auch in Form von Freizeitausgleich abgegolten werden.
  • Nachtzuschläge sind nicht pfändbar.