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Beitragsbemessungsgrenze: Was es mit dieser Rechengröße auf sich hat

Definition

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze?

Bei der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) handelt es sich vereinfacht gesagt um eine Rechengröße. Diese wird herangezogen, um zu ermitteln, bis zu welcher maximalen Höhe des Arbeitsentgelts, Arbeitgeber:innen und Arbeinehmer:innen Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung leisten müssen. Durch die Beitragsmessungsgrenze werden sie eingegrenzt.

Einkommen von Erwerbstätigen sind bis zur Beitragsmessungsgrenze steuerpflichtig. Einkommen darüber sind beitragsfrei. Angestellte müssen außerdem bis zur Versicherungspflichtgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Wer darüber hinaus verdient, kann in eine private Krankenversicherung wechseln. Beiträge, die über der Beitragsbemessungsgrenze liegen, werden nicht berücksichtigt. Gleichzeitig können für sie keine Ansprüche geltend gemacht werden.

Es existieren folgende Bemessungsgrenzen:

  • Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung
  • Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung

Einmal im Jahr werden die Beitragsbemessungsgrenzen mit Wirkung zum 1. Januar von der Bundesregierung unter der Berücksichtigung der Einkommensentwicklung in Deutschland angepasst.

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Warum gibt es die Beitragsbemessungsgrenze?

Mit Blick auf die Sozialversicherungen gilt hierzulande das Solidaritätsprinzip. Bedeutet: Allen Beitragszahler:innen sollen durch die Beitragsbemessungsgrenze gleiche Leistungen gewährt werden – unabhängig von ihrem gesundheitlichen Zustand. Die finanziellen Möglichkeiten aller sollen daher den Schutz aller Versicherten gewährleisten. Daher basiert das deutsche Sozialversicherungssystem auf einem Versicherungsbeitrag, der vom individuellen Einkommen abhängt. Da die Krankenkassen in Deutschland in der Vergangenheit aber vor allen Dingen die Zahlungen von Krankengeld übernommen haben, wurde die Einführung der Beitragsbemessungsgrenze beschlossen. Sie deckelt u. a. nicht nur den maximalen Versicherungsbeitrag, sondern gleichzeitig auch das maximale Krankengeld.

Für welche Versicherungsarten ist die Beitragsbemessungsgrenze von Bedeutung?

Wie schon erwähnt, gibt es hierzulande zwei Beitragsbemessungsgrenzen. Auf der einen Seite wird so der maximale Wert für Pflegepflicht- und Krankenversicherung definiert. Auf der anderen Seite greift die Beitragsbemessungsgrenze bei der Arbeitslosen- und Rentenversicherung. Mit Blick auf die Rentenversicherung gibt es außerdem eine zusätzliche Unterscheidung: die allgemeine sowie die knappschaftliche Rentenversicherung.

Wie hoch ist die Beitragsbemessungsgrenze für das Jahr 2021?

Seit dem 1. Januar. 2021 greifen mit Blick auf die gesetzliche Kranken- und Rentenversicherung neue Rechengrößen. Die Beitragsbemessungsgrenze unterscheidet sich in Ost und West:

Beitragsbemessungsgrenzen 2021

Größe
Ost
West
BBG gesetzliche Kranken­ver­sicherung
58.050 Euro pro Jahr (4.837,50 monatlich)
Ver­sicherungs­­pflicht­grenze gesetzliche Kranken­versicher­­ung
64.350 Euro pro Jahr (5.362,50 Euro monatlich)
BBG all­gemeine Renten­ver­sicherung
6.700 Euro pro Monat
7.100 Euro pro Monat
BBG knapp­schaft­liche Renten­ver­sicherung
8.250 Euro pro Monat
8.700 Euro pro Monat
Bezugs­größe Sozial­ver­sicherung
3.115 Euro pro Monat
3.290 Euro pro Monat
Durch­schnitt­liches Entgelt 2021 in der Renten­ver­sicherung
41.541 Euro pro Jahr

Die Beitragsbemessungsgrenzen der Arbeitslosenversicherung sind gleich mit denen der allgemeinen Rentenversicherung.

Warum ist die Beitragsbemessungsgrenze im Osten niedriger?

Die Differenz, speziell bei der Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung, existiert schon seit der Wiedervereinigung Deutschlands. Auslöser für die unterschiedliche Festlegung der Bemessungsgrößen ist die Höhe des Durchschnittseinkommens. Erwerbstätige, die in den neuen Bundesländern arbeiten, verdienen im Vergleich meist deutlich weniger als Arbeitnehmer:innen in den westlichen Bundesländern. Um diesen finanziellen Unterschied einigermaßen gerecht auszugleichen, ist die Beitragsbemessungsgrenze daher im Osten niedriger angesetzt als im Westen. Eine Angleichung wird von der Bundesregierung jedoch angestrebt mit dem Ziel, das Rentenniveau Ost-West bis 2025 zu vereinheitlichen.

Was ist die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung?

Auch hier fungiert die BBG als Rechengröße zur Ermittlung der Sozialversicherungsbeiträge. In der Krankenversicherung gibt die Beitragsbemessungsgrenze an, welches maximale Einkommen für die Berechnung von Krankenkassenbeiträgen berücksichtigt wird.

Info

Warum ist es so wichtig, dass die Beitragsbemessungsgrenzen regelmäßig angepasst werden?

Die regelmäßige Änderung der Beitragsbemessungsgrenze orientiert sich an der jährlichen Einkommensentwicklung in Deutschland. Diese Anpassung dient dem Zweck, die soziale Absicherung hierzulande stabil zu halten. Ohne Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, z. B. in der Rentenversicherung, würden Erwerbstätige trotz zunehmender Gehälter zu geringe Sozialabgaben leisten. Infolgedessen würde unterm Strich eine zu niedrige Rente ausgezahlt werden und das wäre unfair. Besserverdiener wiederum würden irgendwann aus der Sozialversicherung herausfallen. Daher muss die entsprechende Bezugsgröße in regelmäßigen Abständen angepasst werden.

Die Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze im Lauf der Zeit

Gehälter und Löhne nehmen in Deutschland seit Jahrzehnten zu. Daher ist auch bei der Festlegung der Beitragsbemessungsgrenzen eine kontinuierliche Erhöhung zu beobachten. Zu einer Stagnation oder gar Senkungen kam es bisher nur selten. Betrachtet man die Jahre von 1998 bis 2018 im Detail, so blieb die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung nur im Jahr 2007 unverändert. Gemindert wurde sie ebenfalls nur ein einziges Mal, und zwar 2011 um ein Prozent.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich auch bei der Entwicklung der Beitragsbemessungsgrenze der Renten- und Arbeitslosenversicherung ab. Seit der Euroeinführung (2002) nimmt der Grenzwert hier ebenfalls beständig zu. Zu Stagnationen kam es kaum (Ausnahmen: Ost: 2006 und 2021; West: 2007, 2011). Eine Senkung wurde nur ein einziges Mal beschlossen (2008: Ost). Eine besonders starke Anhebung der Bemessungsgrenzen wurde im Jahr 2003 veranlasst. Auslöser hierfür war das Beitragssatzsicherungsgesetz (BSSichG), das am 1. Januar. 2003  inkrafttrat.

Wie hoch ist die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der gesetzlichen Krankenversicherung?

Die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Krankenversicherungen wurde für das Jahr 2021 mit monatlich 4.837,60 Euro (jährlich 58.050 Euro brutto) festgesetzt. Die BBG gibt daher an, bis zu welcher Höhe das individuelle Einkommen bei der Krankenkassenbeitragsrechnung herangezogen wird.

Wie hoch ist die Beitragsbemessungsgrenze zur Renten- und Arbeitslosenversicherung?

Mit Blick auf die BBG zur Renten- und Arbeitslosenversicherung West wurde für das Jahr 2021 eine Höhe von 7.100 Euro pro Monat beschlossen. Pro Jahr sind das 85.200 Euro. Für den Bereich Ost greift eine monatliche Maximalhöhe von 6.700 Euro (jährlich 80.400 Euro).

Was bedeutet die Beitragsbemessungsgrenze für die private Krankenversicherung?

In diesem Fall ist die Beitragsbemessungsgrenze eine wichtige Bezugsgröße mit Blick auf den Arbeitgeberzuschuss, den Mitarbeiter:innen bekommen, die privatversichert sind. Der Arbeitgeberzuschuss entspricht immer der Hälfte des Privatversicherungsbetrags, der monatlich gezahlt werden muss. Gleichzeitig darf er die Kosten, die für gesetzlich versicherte Arbeitenhmer:innen entstehen, nicht übersteigen. Die BBG dient also als Berechnungsgrundlange für den Maximalbetrag des Arbeitgeberzuschusses. Zudem orientiert sich ebenfalls der Höchstbetrag des Basistarifs in der privaten Krankenversicherung an der BBG.

Was ist der Unterschied zwischen Beitragsbemessungsgrenze, Jahresarbeitsentgeltgrenze und Versicherungspflichtgrenze?

Die Begriffe Jahresarbeitsentgelt- und Versicherungspflichtgrenze können synonym verwendet werden. Beide geben Aufschluss darüber, bis zu welcher Höhe des Bruttoeinkommens eine gesetzliche Versicherungspflicht für Angestellte besteht. Die entsprechende Versicherungspflichtgrenze wurde für das Jahr 2021 bei 64.350 Euro festgemacht.

Die Beitragsbemessungsgrenze dagegen informiert über die maximale Einkommensgrenze, die bei der Berechnung der Krankenkassenbeiträge berücksichtigt wird.

Zahlt man oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze mehr Steuern?

Besserverdiener:innen zahlen höhere Steuern. Zudem steigt mit dem Einkommen automatisch der entsprechende Steuersatz. Für Angestellte mit einem Bruttolohn über der Beitragsbemessungsgrenze fällt daher unterm Strich auch ein höherer Steuerbetrag an. Gleichzeitig ist es jedoch möglich, höhere Sozial- sowie Rentenversicherungsbeiträge steuerlich abzusetzen. Auf diese Weise wird das zu versteuernde Einkommen wieder gesenkt.

Die Beitragsbemessungsgrenze dagegen informiert über die maximale Einkommensgrenze, die bei der Berechnung der Krankenkassenbeiträge berücksichtigt wird.

Wie wird das Gehalt in Kurzarbeit berechnet, wenn der Verdienst von Arbeitnehmer:innen über der Beitragsbemessungsgrenze liegt?

Als Basis für die Berechnung von Kurzarbeitergeld fungiert die Differenz aus Ist- und Soll-Entgelt. Ist-Entgelt bezeichnet hierbei das tatsächliche Bruttoentgelt, das im entsprechenden Kurzarbeit-Monat ausgezahlt wird, während mit Soll-Entgelt das beitragspflichtige Bruttoentgelt gemeint ist, das Angestellte „ohne den Arbeitsausfall im entsprechenden Anspruchsmonat verdient hätten.“ Als Soll-Entgelt gilt daher generell das regelmäßig ausgezahlte Arbeitsentgelt (mit Blick auf die Sozialversicherung bis zur Beitragsbemessungsgrenze). Ähnlich wie beim Arbeitslosengeld wird der Ausfall des Entgelts auf diese Weise bis zur Höhe des Entgelts aufgefangen, für das Sozialversicherungsbeiträge geleistet werden. Wessen Ist-Gehalt selbst während Kurzarbeit noch über der Beitragsbemessungsgrenze liegt, erhält dadurch kein Kurzarbeitergeld.

Die Beitragsbemessungsgrenze in der betrieblichen Altersvorsorge

Mit Blick auf die Höchstgrenzen der BBG fallen Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge nicht in die Kategorie des beitragspflichtigen Arbeitsentgelts. Welche Beitragsrechte im Einzelfall gelten, ist davon abhängig, welche Methode zum Aufbau der betrieblichen Altersvorsorge dient. Zudem muss geklärt werden, ob Arbeitgeber:innen ausschließlich alleine oder durch Beteiligung der Angestellten den Aufwand der betrieblichen Altersvorsorge stemmen.

Der Einfluss der Beitragsbemessungsgrenze auf das Arbeitslosengeld

Das Arbeitslosengeld 1 (ALG 1) stellt im Vergleich zum Arbeitslosengeld 2 (meist als Hartz IV bekannt) eine Versicherungsleistung dar. Die ausgezahlte Summe richtet sich dabei nicht nach dem Bedarf (siehe Hartz IV), sondern nach den bereits geleisteten Beiträgen. Doch um Ein- und Ausgaben der entsprechenden Kassen nicht völlig aus dem Gleichgewicht zu bringen, existiert beim Arbeitslosengeld 1 ein maximaler Auszahlungs- bzw. Bemessungssatz.

Die Höhe des Arbeitslosengelds 1 richtet sich in erster Linie nach den letzten Bruttoeinnahmen, für die Sozialabgaben geleistet wurden. Liegen diese über einer bestimmten Grenze, werden sie nicht mehr berücksichtigt. Von da an legt die Beitragsbemessungsgrenze den Höchstsatz des ALG 1 fest. Diese Bemessungsgrenze ist von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich hoch, wobei wieder das Ost-West-Gefälle zu berücksichtigen ist.

Zusammenfassung

Beitragsbemessungsgrenze: Alles Wichtige noch einmal auf einen Blick

  • Bei der Beitragsbemessungsgrenze (BBG) handelt es sich um eine Rechengröße, die festlegt, bis zu welcher Einkommenshöhe Arbeitnehmer:innen Sozialversicherungsbeiträge leisten müssen.
  • Einkommen, die über der BBG liegen, sind demnach beitragsfrei.
  • Es gibt zwei BBGs: Die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Renten- und Arbeitslosenversicherung.
  • Jedes Jahr wird die Höhe der Beitragsbemessungsgrenzen neu angepasst.
  • In den vergangenen Jahren ist ein kontinuierlicher Anstieg dieser Beitragsbemessungsgrenze zu beobachten.
  • Aufgrund unterschiedlicher Einkommen besteht bei der Beitragsbemessungsgrenze ein West-Ost-Gefälle.