Lexware
Kategorie
This is some text inside of a div block.
Beachten Sie: Bis zum 31.12.2020 gelten die gesenkten USt.- bzw. MwSt.-Sätze von 16 % und 5 %.

Kurzfristige Beschäftigung: Flexibles Arbeitsmodell für Student:innen und Rentner:innen

Definition

Was ist eine kurzfristige Beschäftigung?

Eine kurzfristige Beschäftigung ist befristetes Arbeitsverhältnis, das nicht hauptberuflich ausgeübt wird. Es darf drei ganze Monate oder 70 Arbeitstage pro Kalenderjahr nicht übersteigen. Eine kurzfristige Beschäftigung gehört wie der sogenannte Minijob zur Kategorie der geringfügigen Beschäftigungen. Die Gesetzliche Basis für beide ist das Gesetz für den Mindestlohn (MiLoG) sowie die Regelwerke des SGB IV (Sozialgesetzbuchs). Für Arbeitgeber:innen besteht dabei die Pflicht zur transparenten Arbeitszeitdokumentation. Das funktioniert zum Beispiel in Form eines Stundenzettels.

Voraussetzungen einer kurzfristigen Beschäftigung

Eine kurzfristige Beschäftigung darf laut Gesetzgeber nicht berufsmäßig sein. Beschäftigungen dieser Art sind für den oder die Beschäftigte:n folglich nur von untergeordneter wirtschaftlicher Bedeutung. Anders als bei 450-Euro-Kräften legt der Gesetzgeber bei einer kurzfristigen Beschäftigung keine Verdienstgrenzen fest. Im Gegenzug greifen weitere Beschränkungen: Kurzfristige Beschäftigungen müssen zum Beispiel von vornherein befristet sein. So regelt es das SBG IV in seiner Fassung von 2019 und legt hierfür folgende zeitliche Limits fest:

  • Die 3-Monatsregel: sie greift, wenn Arbeitnehmer:innen die Tätigkeit an mindestens fünf Wochentagen ausüben
  • Insgesamt höchstens 70 Tage: das ist die Obergrenze, bei regelmäßig geringerem Einsatz pro Arbeitswoche
Info

Ausnahmeregelung während der Corona-Pandemie

Im Jahr 2021 hat der Gesetzgeber wegen der Corona-Pandemie erweiterte Zeitgrenzen für kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse eingeführt. Voraussetzung dafür ist ein Beschäftigungsbeginn im Jahr 2021. Folgendes gilt:

  • Lag der Beginn einer kurzfristigen Beschäftigung vor dem 1. Juni 2021 dann ist diese kurzfristig, wenn sie zu Beginn den 70-Tage-Vertrag oder die 3-Monats-Grenze nicht überschritten hat. Neu: Wenn diese Tätigkeit in der Zeit vom 1. Juni bis 31. Oktober 2021 längstenfalls auf vier Monate oder 102 Arbeitstage verlängert wird, liegt dafür auch eine kurzfristige Beschäftigung vor.
  • Lag der Beschäftigungsbeginn vor dem 1. November 2021, ist sie zu Beginn kurzfristig, wenn sie auf längstens vier Monate oder 102 Arbeitstage befristet ist. Ab dem 1. November 2021 gilt jedoch wieder die kürzere Befristungsdauer. Eine Kurzfristigkeit liegt dann nur noch vor, wenn mit Blick auf die Vorbeschäftigungsdauer der Minijob auf längstens drei Monate oder 70 Tage befristet ist.

Was bedeutet Berufsmäßigkeit bei kurzfristiger Beschäftigung?

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt außerdem nur dann vor, wenn sie nicht auf Wiederholung abzielt, so definiert es das Gesetz. Sobald diese Tätigkeit über Jahre angestrebt wird und Art der Arbeitseinsätze sowie deren Dauer vorhersehbar sind, handelt es sich um eine regelmäßige Beschäftigung. Arbeitnehmer:innen in einer kurzfristigen Beschäftigung sind grundsätzlich versicherungsfrei, regelmäßig Beschäftigte nicht.

Vorteilhaft ist es, wenn Arbeitgeber:innen und Arbeitnehmer:innen vor Arbeitsantritt eine Rahmenvereinbarung zur kurzfristigen Beschäftigung treffen, in der die zeitliche Befristung konkret angegeben wird. Übrigens kann, nach einer Pause von zwei Monaten, erneut ein Arbeitsvertrag für eine weitere kurzfristige Beschäftigung erfolgen.

Info

In diesen Fällen wird Berufsmäßigkeit unterstellt

Eine kurzfristige Beschäftigung liegt nicht vor, wenn die Beschäftigung berufsmäßig oder als Dauerbeschäftigung ausgeübt wird und das Arbeitsentgelt dafür 450 Euro überschreitet. Berufsmäßigkeit unterstellt der Gesetzgeber,

  • wenn Beschäftigte bereits länger als drei Monate oder 70 Arbeitstage gearbeitet haben
  • Arbeitnehmer:innen zuletzt arbeitslos gemeldet waren
  • die Beschäftigung während der Zeit eines unbezahlten Urlaubs verrichtet wird
  • wenn eine befristete Überbrückungsbeschäftigung zwischen Schulentlassung und erster Arbeitsstelle vorliegt
  • wenn eine Ausbildung beginnt

Ausnahme: Verdienen zum Beispiel Saisonarbeitskräfte höchstens 450 Euro monatlich, dürfen Arbeitgeber:innen das Beschäftigungsverhältnis nachträglich noch in einen 450-Euro-Job wandeln und damit der Sozialversicherungspflicht aus dem Weg gehen.

Info

Kombinierbarkeit von kurzfristigen Beschäftigungen

Arbeitnehmer:innen dürfen per Gesetz kurzfristige Beschäftigungen kombinieren. Bei der Zusammenrechnung gilt jedoch immer die 70-Tages-Vorgabe bzw. die 3-Monats-Regel. Beispiel: Hat ein:e Beschäftigte:r innerhalb eines Jahres bereits in einem Unternehmen jene Zeiten erfüllt, dann kann er oder die im weiteren Jahresverlauf keine neue kurzfristige Beschäftigung mehr eingehen. Weitere Beispiele sind:

  • Wenn eine ehemalige 450-Euro-Kraft in ein kurzfristiges Arbeitsverhältnis wechseln möchte, ist das erlaubt, sofern es sich um einen neuen Aufgabenbereich handelt.
  • Wer als kurzfristig Beschäftigte:r für einen Betrieb bereits zwei Monate in Folge gearbeitet hat, darf einen zweiten Job in einem anderen Betrieb als kurzfristig Beschäftigte:r annehmen. Vorausgesetzt, er oder sie übt diesen nur noch, gemäß der 3-Monats-Regel, für einen weiteren Monat aus.
  • Auch die Kombination aus Werkstudent:in und kurzfristige Beschäftigung stellt kein Problem dar, solange eine Immatrikulationsbescheinigung vorliegt. In diesem Fall dürfen Studierende als sogenannte Werkstudent:innen Beschäftigungszeiten von höchstens 20 Stunden wöchentlich nachgehen, dabei regelmäßig mehr als 450 Euro verdienen und zusätzlich nicht länger als drei Monate oder 70 Kalendertage im Jahr kurzfristig jobben.

Welche Abgaben fallen bei einer kurzfristigen Beschäftigung an?

Arbeitgeber:innen, die kurzfristige Beschäftigungen vergeben, zahlen für die Arbeitnehmer:innen nur geringe Umlagen als Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall, vorausgesetzt die Beschäftigten sind im Unternehmen länger als vier Wochen eingesetzt. Außerdem entrichten Unternehmer:innen Umlagen zum Ausgleich der Aufwendungen bei Schwangerschaft bzw. Mutterschaft. Diese Umlage zahlen sie auch für männliche kurzfristige Minijobber. Dazu kommen noch Insolvenzumlage sowie Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung. Unternehmer:innen leisten folglich für das Arbeitsmodell der kurzfristigen Beschäftigung keine Beiträge zur Krankenversicherung bzw. Familienversicherung sowie zur  Rentenversicherung und Arbeitslosen- und Pflegeversicherung. So profitieren sie selbst von niedrigeren Lohnkosten.

Bei kurzfristiger Beschäftigung haben Arbeitnehmer:innen selbst keine Beiträge zur Sozialversicherung abzuführen.

Steuerpflicht bei kurzfristigen Beschäftigungen

Kurzfristige Beschäftigungen sind immer lohnsteuerpflichtig. Zur Lohnsteuererhebung bei Kurzzeitbeschäftigung richtet sich der Betrieb grundsätzlich nach den ELStAM der Arbeitnehmer:innen. Gemeint sind die elektronischen Lohnsteuermerkmale jedes oder jeder Beschäftigten – zum Beispiel die Lohnsteuerklasse – die das Finanzamt auf der elektronischen Lohnsteuerkarte mitteilt. Deshalb ziehen Arbeitgeber:innen dieser Art von Beschäftigten außer dem individuellen Lohnsteuersatz, gegebenenfalls auch noch Kirchensteuer vom Lohn ab und überweisen alle Beträge ans Finanzamt.

Alternativ bietet der Gesetzgeber Arbeitgeber:innen die Möglichkeit, lediglich eine pauschalisierte Lohnsteuer von 25 Prozent bei kurzfristiger Beschäftigung abzuführen. Diese Pauschalsteuer hat Vorteile sowohl für Arbeitgeber:innen als auch für Arbeitnehmer:innen:

  • Arbeitgeber:innen sparen sich den Aufwand der individuellen Lohnsteuerberechnung. Sie zahlen stattdessen einfach jene Pauschale.
  • Arbeitnehmer:innen bleibt damit der sogenannte Progressionsvorbehalt erspart. Denn wird das kurzfristige Beschäftigungsverhältnis neben einem regulären Job ausgeübt, führt der zusätzliche Lohn aus kurzfrister Beschäftigung normalerweise in der Steuererklärung zu einem Anstieg der Einkommensteuer. Wird ihnen nur eine Lohnsteuerpauschale abgezogen, gilt das zusätzliche Einkommen bereits als versteuert und wird nicht mehr zur restlichen Steuerschuld hinzugerechnet.
Info

Die sogenannten Lohnsteuerpauschalierung

Die Inhalte der sogenannten Lohnsteuerpauschalierung regelt in Deutschland das Einkommensteuergesetz (EStG). Um die Lohnsteuerpauschale bei einer kurzfristigen Beschäftigung nutzen zu dürfen, sind Arbeitgeber:innen an folgende Voraussetzungen gebunden:

  • Die kurzfristige Beschäftigung darf nur gelegentlich stattfinden.
  • Dieser Art von geringfügiger Beschäftigung darf nicht länger als 18 Arbeitstage am Stück nachgegangen werden.
  • Arbeitgeber:innen dürfen nicht mehr als durchschnittlich 120 Euro pro Tag für kurzfristige Beschäftigungen zahlen.
  • Dabei spielt der durchschnittliche Tageslohn keine Rolle, wenn das Beschäftigungsverhältnis unvorhersehbar sofort notwendig wird.

Werden diese Bedingungen nachweislich nicht erfüllt, müssen Firmen den individuellen Lohnsteuersatz berechnen und diesen vom Einkommen der Beschäftigten abziehen. Häufig erhalten Arbeitnehmer:innen die gezahlte Lohnsteuer wieder zurück, wenn ihr Jahreseinkommen in der Steuererklärung unterhalb des Grundfreibetrags von 9.168 Euro liegt.

Wer darf einer kurzfristigen Beschäftigung nachgehen?

Das Arbeitsmodell der kurzfristigen Beschäftigung hat der Gesetzgeber für temporäre Arbeiten geschaffen, die auch neben der Hauptbeschäftigung ausgeübt werden können. Somit muss nachweislich der Status einer Vollzeit- bzw. Teilzeit-Kraft oder als Selbständige:r vorliegen, um als kurzfristiger Minijobber anerkannt zu werden. Folgende Gruppen können einer kurzfristigen Beschäftigung nachgehen:

  • 450-Euro-Minijobber:innen
  • Auszubildende
  • Schüler:innen
  • Student:innen
  • Werkstudent:innen
  • Hausfrauen und Hausmänner
  • Vollzeitkräfte
  • Teilzeitkräfte
  • Selbstständige
  • Schulabgänger:innen vor Aufnahme des Studiums
Info

Nebentätigkeit während Kurzarbeit

Wer bereits vor Einführung von Kurzarbeit eine Nebentätigkeit – zum Beispiel eine kurzfristige Beschäftigung – hatte, darf diese fortführen. Der daraus resultierende Lohn wird dann nicht auf das Kurzarbeiter:innengeld angerechnet. Wichtig ist der erste Abrechnungsmonat des Kurzarbeiter:innengeld. Dabei gelten seit 2020 folgende Zuverdienstregeln:

  • Wird eine Nebentätigkeit, z. B. kurzfristige Beschäftigung, während des Bezugs von Kurzarbeiter:innengeld neu begonnen, wird der Lohn daraus auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.
  • Ein sogenannter Minijob bleibt dagegen bis zum 31.12.2021 anrechnungsfrei, auch wenn er während des Bezugs von Kurzarbeitergeld aufgenommen wird.

Wichtig: Arbeitnehmer:innen müssen ihren Arbeitgeber:innen die Nebenverdienstbescheinigung für die kurzfristige Beschäftigung vorlegen, damit  während der Kurzarbeit die Höhe des konkreten Kurzarbeitergeldes unter Berücksichtigung des gesamten Verdienstes berechnet werden kann.

Besteht bei kurzfristiger Beschäftigung ein Urlaubsanspruch?

Kurzfristig Beschäftigte haben nach dem Bundesurlaubsgesetz (BurlG) wie alle Arbeitnehmer:innen Anspruch auf Urlaub. Sie können jedoch keinen vollen Urlaubsanspruch ausschöpfen, sondern lediglich einen Teil des Jahresurlaubs. Voraussetzung dafür ist, dass sie mindestens einen Monat im Unternehmen tätig sind. In diesem Fall besteht für kurzfristig Beschäftigte Anspruch auf 1/12 des Urlaubs, der Vollzeitarbeitnehmer:innen zusteht. Mit jedem weiteren Monat erhöhen sich die Urlaubstage. Der gesetzliche Mindesturlaub beträgt aktuell jährlich 24 Werktage (§ 3 BUrlG). Bei der Berechnung der Urlaubstage in der Lohnbuchhaltung müssen Arbeitgeber:innen berücksichtigen, dass alle Tage, die nicht Sonn- oder gesetzliche Feiertage sind, als Werktage gelten, also auch Samstage.

Zusammenfassung

Kurzfristige Beschäftigung – ein Konzept mit besonderen Regeln

  • Kurzfristige Minijobs sind für Beschäftigte wie Arbeitgeber:innen gleichermaßen interessant: Student:innen, Rentner:innen oder Schüler:innen haben die Möglichkeit, Geld dazu zu verdienen, wenn sie nicht mehr als 70 Tage im Jahr für ein Unternehmen arbeiten.
  • Arbeitgeber:innen profitieren, denn kurzfristige Minijobber entlasten Firmen während Auftragsspitzen.
  • Arbeitgeber:innen sind in der Lage, flexibel auf die Anforderungen in der Produktion zu reagieren und halten dabei ihre Lohnkosten relativ klein.
  • Für kurzfristig Beschäftigte gelten besondere Regeln, die in einem Rahmenvertrag dokumentiert sind.