Gleitzone
Bedeutung und Regelungen

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Hinweis: Gendergerechte Sprache ist uns wichtig. Daher verwenden wir auf diesem Portal, wann immer möglich, genderneutrale Bezeichnungen. Daneben weichen wir auf das generische Maskulinum aus. Hiermit sind ausdrücklich alle Geschlechter (m/w/d) mitgemeint. Diese Vorgehensweise hat lediglich redaktionelle Gründe und beinhaltet keinerlei Wertung.
Beachten Sie: Bis zum 31.12.2020 gelten die gesenkten USt.- bzw. MwSt.-Sätze von 16 % und 5 %.
Definition

Gleitzone: Was ist die Gleitzone?

Die Gleitzone liegt als Arbeitsentgeltbereich vor, wenn der oder die Beschäftigte zwischen 450,01 Euro und 1.300 Euro pro Monat verdient. Daraus ergeben sich reduzierte Abgaben in der Sozialversicherung. Bis zum 30. Juni 2019 lag die Entgeltgrenze für Beschäftigte in der Gleitzone bei 450,01 Euro bis 850 Euro regelmäßigem Gehalt pro Kalendermonat.

Die Gleitzone wurde im Jahr 2003 für die Midijobber eingeführt. Für sie gelten zwei Voraussetzungen:

  • Arbeitnehmer sind versicherungspflichtig beschäftigt.
  • Sie müssen innerhalb bestimmter Entgeltgrenzen liegen.

Die Gleitzone, der sozialversicherungspflichtige Übergangsbereich und der Midijob sind allesamt Bezeichnungen für denselben Bereich, die synonym verwendet werden können.

Welche Regelungen gibt es für die Gleitzone?

Ein Midijob liegt vor, wenn Arbeitnehmer mehr als 450 Euro und weniger als 1300 Euro pro Monat verdienen. Sie befinden sich in diesem Falle in der sogenannten Gleitzone bzw. dem Übergangsbereich. In diesem gelten für die Arbeitnehmer günstigere Vorschriften mit geringeren Beitragssätzen zur Sozialversicherung. Die Gleitzone soll den harten Übergang von einem Minijob zu einem gewöhnlichen Beschäftigungsverhältnis abfedern. Beschäftigte, die einen Midijob ausüben, genießen somit den umfassenden Schutz aller Sozialversicherungen:

  • Krankenversicherung
  • Rentenversicherung
  • Arbeitslosenversicherung
  • Pflegeversicherung

Die Regelungen zum Übergangsbereich bzw. der Gleitzone gelten jedoch nicht für alle Personengruppen. Die folgenden sind davon ausgenommen:

  • Auszubildende
  • Praktikanten
  • Teilnehmer am freiwilligen sozialen Jahr
  • Dual Studierende
  • Menschen mit Behinderung, die in speziellen Werkstätten angestellt sind
  • Beschäftigte, deren Entgelt aufgrund von Kurzarbeit in die Begrenzung des Übergangsbereichs fällt
Info

Erhöhung der Gleitzone ab Oktober 2022

Mit der Erhöhung des Mindestlohns ab 1. Oktober 2022, wird auch die Gleitzone angepasst. Diese Erhöht sich auf 520,01 Euro - 1.600 Euro Verdienst pro Monat.

Wie werden die Beiträge und das Arbeitsentgelt in der Gleitzone ermittelt?

Der Staat verfolgt mit Hilfe der Gleitzone bzw. des Übergangsbereichs vor allem drei Absichten:

  • Er möchte den Anteil der geringfügig Beschäftigten verringern.
  • Die Gleitzone soll die Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung attraktiver machen.
  • Der Staat möchte die Sozialkassen entlasten.

In der Gleitzone befinden sich Beschäftigte genau in der Mitte der Extreme Minijobber und voll sozialversichungspflichtige Angestellte. Im Übergangsbereich sparen Angestellte Abgaben wie die zur Sozialversicherung und bekommen keine Abzüge bei der Lohnsteuer (gilt für Steuerklasse eins bis vier). So genießen Midijobber den gesetzlichen Versicherungsschutz, ohne durch zu hohe Beiträge belastet zu werden.

Gleitzone und Krankenversicherung
Beschäftigte im Übergangsbereich, die eine gesetzliche Krankenversicherung haben, erhalten im Falle einer Arbeitsunfähigkeit Krankengeld.
Gleitzone und Rentenversicherung
Auch bei einem Midijob zahlen Beschäftigte Beiträge zur Rentenversicherung. Weil jedoch geringere Abgaben geleistet werden, besteht für Midijobber allerdings nicht der volle Anspruch auf Rente.
Gleitzone und Arbeitslosengeld
Durch die Zahlung der Sozialabgaben haben Midijobber Anspruch auf Arbeitslosengeld 1. Haben sie mindestens ein Jahr in der Tätigkeit gearbeitet und somit Beiträge zur Arbeitslosenversicherung gezahlt, erhalten Beschäftigte 60 Prozent des Nettoeinkommens.
Gleitzone und Kindergeld
Steuerfreie Zuschläge für die Kinderbetreuung werden in der Gleitzone nicht auf das Einkommen angerechnet. Das Kindergeld wirkt sich somit nicht auf die Einkommensgrenze aus.

Sonderfall Midijob und Steuerklasse 5

Midijobber liegen durch die festgelegte Höhe ihrer Einnahmen in dem Bereich, in dem steuerrechtlich der sogenannte einkommenssteuerfreie Lohn gezahlt wird. Dies ist dadurch bedingt, dass die Höchstgrenze des Einkommens immer noch unter der Grenze liegt, ab der Einkommenssteuer gezahlt werden muss. Jedoch müssen Midijobber mit Steuerklasse 5 in diesem Zusammenhang eins beachten:

Hinweis

Befreiung von der Lohnsteuer in der Gleitzone

Die Befreiung von der Lohnsteuer gilt in der Gleitzone für die Steuerklassen eins bis vier und nicht für die Klassen fünf bis sechs! Falls Sie also die Höhe Ihrer Lohnsteuer ermitteln möchten, können Sie ganz einfach unseren Lohnsteuer-Rechner nutzen.

Midijobber, die mit Steuerklasse 5 besteuert werden, wählen diese in der Regel, da die Partner ein wesentlich höheres Einkommen haben als sie. In der Gleitzone müssen Midijobber mit Steuerklasse 5 somit die Einkommenssteuer zahlen und diese ist nicht gerade niedrig. Dieser Faktor wirkt sich negativ auf das Entgelt aus, das ausgezahlt wird.

Midijob: Wie viele Stunden dürfen Arbeitnehmer arbeiten?

Auch in der Gleitzone erhalten Arbeitgeber einen Arbeitsvertrag. Da die Stunden bei der Midijob-Regelung über denen eines Minijobs liegen, ist der Verdienst und die zulässige Stundenzahl höher. Aber auch in der Gleitzone darf die tägliche Arbeitszeit nicht höher als acht Stunden sein. Aufgrund des maximal zulässigen Gesamtbetrages von 1.300 Euro, die Midijobber verdienen dürfen, wirkt sich dies auch auf die Anzahl der Arbeitstage aus.

Der aktuelle Mindestlohn liegt bei 9,82 Euro (Stand Januar 2022). Arbeitet ein Midijobber an fünf Tagen jeweils acht Stunden, überschreitet dies den maximal zulässigen Monatsverdienst von 1.300 Euro. Infolgedessen würde es sich bei der Anstellung nicht mehr um die Gleitzone handeln. Midijobber dürfen maximal 132,38 Stunden monatlich arbeiten (Stand Januar 2022). Wenn Sie bei der monatlichen Lohnabrechnung Ihrer Mitarbeiter auf Nummer sicher gehen wollen, nutzen Sie unseren Mindestlohn-Rechner zur Berechnung.

Gleitzone überschritten

Übersteigt das Arbeitsentgelt diesen maximal zulässigen Betrag, gilt die Beschäftigung nicht mehr als Midijob und ist voll versicherungspflichtig. Arbeitnehmer und Arbeitgeber leisten die Beiträge in diesem Fall jeweils zur Hälfte.

  • Gleitzone einmalig überschritten: Wird der Betrag der Gleitzone durch eine Einmalzahlung einmalig überschritten, müssen Arbeitgeber bei einer Betriebsprüfung in jedem Fall berücksichtigen.
  • Änderungen an der Gleitzone im laufenden Jahr: Schwankt das Einkommen der Beschäftigten in der Gleitzone von Monat zu Monat, muss es auf Basis des Vorjahresentgelts berechnet werden.
  • Gleitzone rückwirkend korrigieren: Die Stunden der Beschäftigten können rückwirkend korrigiert werden, damit der Fehler im Falle einer Betriebsprüfung nicht negativ vermerkt wird.

Midijob-Rechner: Beiträge schnell selbst berechnen

Für die Berechnung der Beiträge, die von Arbeitnehmer in der Gleitzone gezahlt werden müssen, gibt es eine spezielle Formel. Mit Hilfe von unserem Midijob-Rechner können die Abzüge genau angegeben werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales legt jedes Jahr den Faktor fest, anhand dessen die Höhe des Arbeitsentgelts von Midijobber berechnet wird. Während der Anteil der Arbeitgeber immer gleich bleibt, steigt der Arbeitnehmeranteil mit dem Einkommen in der Gleitzone. Die Berechnung muss nicht kompliziert sein, denn unser Rechner ist schnell, intuitiv bedienbar und vor allen Dingen praktisch. Probieren Sie es gleich aus!

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Die Vorteile und Nachteile der Gleitzonenregelung

Vorteile
Nachteile
Stark reduzierte Abzüge in der Gleitzone für die Sozialbeiträge: Midijobber profitieren vom Anspruch auf alle Sozialleistungen.
Alle Einkünfte müssen versteuert werden. Die Steuerpflicht richtet sich nach der individuellen Situation (Einkommen, Steuerklasse) der Beschäftigten.
Durch erhöhtes Einkommen vollversicherungspflichtige Beschäftigungen attraktiver machen.
Studierende, die im Übergangsbereich beschäftigt sind, haben keinen Leistungsanspruch.
Arbeitgeberanteil ist geringer als bei einem Minijob.
In der Gleitzone sind auch Werkstudenten nicht von der Rentenversicherungspflicht befreit.
Beschäftigte in der Gleitzone haben Anspruch auf Urlaub.
Die Regelungen der Gleitzone gelten nicht für Auszubildende, auch wenn ihr Einkommen in dem betreffenden Bereich liegt.
Die gesetzliche Kündigungsfrist von mindestens vier Wochen muss eingehalten werden.
Midijobber haben Anspruch auf Lohnfortzahlung in den ersten sechs Wochen bei Arbeitsunfähigkeit.
Werkstudenten, die Vollzeit immatrikuliert sind, dürfen auch in der Gleitzone beitragsfrei arbeiten.
Zusammenfassung

Gleitzone – Alles Wichtige auf einen Blick

  • Die Gleitzone liegt als Arbeitsentgeltbereich zwischen einem Minijob und einer vollversicherungspflichtigen Beschäftigung.
  • Sie wurde 2003 für Midijobber eingeführt.
  • Für sie gelten zwei Voraussetzungen: Die Beschäftigen sind versicherungspflichtig beschäftigt und ihr Einkommen liegt innerhalb vorgegebener Grenzen.
  • Seit dem 1. Juli 2019 heißt die Gleitzone „sozialversicherungspflichtiger Übergangsbereich“.
  • Die Einkommensgrenze in der Gleitzone wurde zudem auf 450,01 Euro bis 1.300 Euro regelmäßiges Gehalt pro Monat festgelegt.
  • Ab dem 1. Oktober 2022 erhöht sich die Einkommensgrenze in der Gleitzone auf 520,01 Euro bis 1.600 Euro.
  • Midijob, Gleitzone und Übergangsbereich können als Synonyme für dieselbe Beschäftigungsart verwendet werden.